Ortsteil Stetten
Ortsvorsteher: Johannes Baur
Rosenstraße 23
88480 Achstetten
Tel.: 0173 8178 934




Stetten befindet sich 6 Kilometer nördlich von Laupheim, westlich und östlich der Kreisstraße 7522 - die übrigens schon kurz, nachdem sie Stetten verlassen hat, im Alb-Donau-Kreis verläuft. Westlich von Stetten befindet sich in gebührendem Abstand, feuchtes Wiesengelände der Flussniederung der "Rot". Im Osten wird eine weitere Ausdehnung der Ortschaft durch die Bundesstraße 30 begrenzt.






Ortswappen von Stetten

Wappenbeschreibung:
In Blau unter einem vierspeichigen, achtschaufligen silbernen Mühlrad ein silberner Fisch.

Wappendeutung:
Das Mühlrad bezieht sich auf die Genossenschaftsmühle und auf ihr landwirtschaftliches Einzugsgebiet. Diese war früher das größte gewerbliche Unternehmen in der Gemeinde. Der Fisch in silber weist auf die zeitweilig bedeutende Fischerei und die zahlreichen Fischteiche an der Rot hin.

 
 

Zur Geschichte

Der Ortsname erscheint erstmals 1181 als Stetin und ist typisch für eine Siedlung der älteren Ausbauzeit. Der nur 1181 und 1182 als Zeuge auftretende Heinrich von Stetin ist vermutlich hierher zu lokalisieren und gehörte wohl einem sonst unter anderem Namen bekannten Geschlecht an.Die 1385 erwähnte Burg mit Graben lag vermutlich südlich des Rathauses in der Nähe des Ortsbachs. Sie wird bald nur noch als Burgstall mit Weiher bezeichnet und war im 17. Jahrhundert Gartenland. Eberhard von Freyberg verkaufte die Burg und das Dorf 1385 mit allen Rechten an den Ulmer Bürger Peter Wagner, der den Besitz allerdings schon 1386 und 1387 je zur Hälfte an das Kloster Wiblingen weitergab, wodurch der Wilblinger Abt Heinrich V. Mayer ungeteilter Dorfherr wurde.

Die 1385 erstmals erwähnte Mühle war bis zum Ende des 20. Jahrhunderts als Mahlmühle in Betrieb. Es ist anzunehmen, dass Stetten zunächst ein Filial von Erbach war und dass erst um 1386/87 die bereits seit 1275 bestehende selbständige Pfarrei des Dekanats Schwendi unter den Krummstab des Klosters Wiblingen gelangte, das die Ortsherrschaft und das Kirchenpatronat erwarb. Ob damit auch die Inkorporation (Angliederung) der Pfarrei erfolgte, steht nicht sicher fest, jedenfalls wurde sie 1767 unter die nicht inkorporierten Patronatspfarreien gerechnet. Der 1563 zum Rücktritt gezwungene Abt von Wiblingen, Augustin Wiedemann, war hier bis zu seinem Tode 1590 Pfarrer. Die Zehnten bestätigte 1478 der Papst als Besitz des Klosters Wiblingen, das um 1500 hier eine Zehntscheuer bauen ließ. Drei Viertel des Kleinzehnten vermachte 1377 Anna von Freyberg dem Ulmer Barfüßerkloster, das diese 1471 ebenfalls ans Kloster Wiblingen verkaufte. Das vierte Viertel erwarb es bereits 1408 von Hartmut Ehinger.

Stetten fiel als wiblingischer Ort 1805 an Bayern, kam aber durch die Rheinbundakte 1806 an Württemberg. Es wurde 1807 bzw. 1809 dem Unteramt Wiblingen bzw. dem Oberamt Biberach, ab 1810 dem Oberamt Wiblingen (mit dem bis 1826 bestehenden Unteramt Laupheim) zugeteilt. Seit 4. August 1845 war Stetten dem neu gebildeten Oberamt Laupheim angehörig. Mit dessen Aufhebung kam es dann am 1. Oktober 1938 zum Landkreis Biberach.
 
 

Sehenswürdigkeiten

Am Turm der katholischen Pfarrkirche Sankt Stephanus, der im Jahr 1555 erbaut wurde, erhielt sich als besondere Zierde oberhalb des zweiten Turmgeschosses ein ungewöhnlicher, in Backstein modellierter Maßwerkfries. Seine Giebel haben steigende Rund- und Kielbogenfriese sowie Pfeileraufsätze. Dass die katholische Pfarrkirche Sankt Stephanus bei den Verwüstungen im 30-jährigen Krieg ebenfalls hart getroffen wurde und sicher zum Teil großen Schaden genommen hat, als am 2. Dezember 1646 die Schweden in Stetten das Dorf zum größten Teil nieder brannten, ist anzunehmen. Die Kirche wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts (um 1725/30) wohl unter Verwendung eines gotischen Chors neu erbaut und mit einem Barockschiff versehen, das offensichtlich Bandelwerkstuck aufwies.

Die Abtei Wiblingen, der die Pfarrei vermutlich inzwischen inkorporiert war, führte 1787/88 eine Erneuerung durch, die erkennen lässt, dass schon der Klassizismus mit dem Barock aufräumte. Pfarrer A. Hamm schreibt am 19. August 1787 an den aus Laupheim stammenden Abt Roman Fehr, seinen Stiefbruder, man möge darauf "Bedacht nehmen, dass die vielen aber gar anstössigen Bilder bey solcher Gelegenheit itzt weg geräumt werden" oder er empfiehlt, "überhaupt aber die Altär frey von Nebenzierungen lassen". In den Jahren 1883 bis 1885 wurde dann der verbliebene Rest beseitigt und "modernisiert". Was die Kirche heute im Innern darstellt, ist das Ergebnis eines tiefgreifenden Umbaus von 1956 durch Architekt Urban Mann. Es entstand dabei auch das nördliche Kirchenschiff. Es wurden nur die 1931 wiederhergestellten Decken der Zeit um 1725/30 übernommen. M. Hammer erneuerte die in Laub- und Bandelwerkstuck liegenden Gemälde, die vermutlich der Maler Riederer schuf, den man für die ehemaligen Nebenaltarblätter von 1720 nachweisen kann. Die Bilder der Hohlkehle entstanden teilweise ganz neu. Eine weitere Innenerneuerung folgte 1971, die Außenerneuerung 1974 bis 1976.

Die kunstgeschichtlich überragenden Ausstattungsstücke sind die Statuen der Heiligen Barbara - durch ein angeklebtes Rad zur Katharina gemacht - und Dorothea, die mit der Achstetter Marienstatue zu einem spätgotischen Schnitz- und Flügelaltar zur Zeit um 1490 gehören, den der sogenannte Meister des Acker-Altars ausführte. Eine Anna Selbdritt ebendieser Zeit kommt aus der Syrlin-Werkstatt. Weitere kunsthistorische Sehenswürdigkeiten sind das figürliche Renaissance-Grabmal für den vormaligen Wiblinger Abt (1556 bis 1563) und langjährigen Stetter Pfarrer (1563 bis 1590) Augustin Wiedenmann. Es ist 1572 datiert und somit zu Lebzeiten des hohen Pfarrherrn gearbeitet worden. Sein Meister ist Michael Schaller I, der sein Zeichen - einen Glockenschild - an auffallender Stelle anbrachte. Die figürlichen Schnitzwerke Sankt Zacharias und Sankt Elisabeth sind um 1725/30 entstanden und zwei sehr gute Holzbildwerke - ein Prozessionskreuz (Vortragekreuz) und ein Auferstehungsheiland (um 1730/40 gearbeitet) - sind in Verwahrung.